Schauweg, schauweg, schauweg! Ich habe meine Augen geschlossen, stehe an der roten Ampel und hoffe, dass es bald grün wird. Ich habe es eilig und keine Zeit für ein Gemetzel. Hinter mir an der Ecke stehen 3 Wichser in Anzügen und mit beschissenen Burschenschafter Kappen. Ich habe sie im Vorbeigehen aus dem Augenwinkel bemerkt und mein Blutdruck hat sich sofort verdreifacht. Um 13.30 Uhr muss ich diesen Termin wahrnehmen, wenn ich zu spät komme, wäre das echt übel. Ich muss dort pünktlich erscheinen, ich MUSS einfach!
Die gelbe Box an der Ampelstange macht Tock, tock, tock, aber die Scheiß-Ampel bleibt rot.
Ich weiß, dass ich die Hurenkinder massakriere, wenn ich sie auch nur ansehe. Ihre Arschgesichter oder debilen Gesichtsausdrücke werden mir den Rest geben, also versuche ich den Drang zu ignorieren mich umzudrehen, um diesen Schwachköpfen einen Blick zuzuwerfen. Ich höre sie reden. In ihren beschissenen Schwanzlutscherstimmen gackern sie in geschwollenem Hochdeutsch über ihre Witzchen und versuchen sich in Wortspielereien. Alleine deswegen will ich ihnen schon ihre gottverdammten Herzen rausreißen ihnen ihre Arschlöcher mit einem rostigen Skalpell herausschneiden, in heissem Öl frittieren und an sie verfüttern. Ich balle meine Fäuste, ziehe die Schultern hoch und versuche sie zu ignorieren.
Die gelbe Box an der Ampelstange macht Tock, tock, tock, aber die Scheiß-Ampel bleibt rot. Autos zischen vorbei. So ähnlich muss es sich anhören, wenn man versucht durch eine aufgeschlitzte Lufttröhre zu atmen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Idioten erfolgreich ignorieren kann und meine Termin nicht sausen lassen muss. Das heißt, ich bin mir so lange sicher, bis einer der hirnlosen Schweine auf die Idee kommt, Wörter wie „Nigger“, „Kanacke“ oder „Ausschwitz“ von sich zu geben. Die anderen lachen darüber.
Ein blutroter Schleier legt sich über meine Augen. Die gelbe Box an der Ampelstange wechselt auf „Tacktacktacktacktack“.
Die. Ampel. Wird. Grün.
Wortlos drehe ich mich um und gehe drei Schritte auf Goebbels, Himmler und Mengele zu. Der erste dreht seinen Kopf gerade zum richtigen Zeitpunkt in meine Richtung – meine Faust fliegt kerzengerade in sein widerliches Gesicht, drückt ihm die Nase knirschend in Richtung Kopfmitte und spaltet seine Oberlippe. Er macht Oooh, dreht sich einmal um die eigene Achse und fällt zu Boden. Sofort drehe ich mich um und nehme mir die anderen zwei vor.
Die stehen wie vom Donner gerührt da und sehen mich ungläubig an. Ich trete dem linken mit voller Wucht gegen das Schienbein. Es zieht ihm beide Beine nach hinten und kreischend landet er kopfüber auf dem Asphalt, wobei sein Kopf ein lustiges Geräusch beim Aufprall macht. Ich stelle mich über das Arschloch und ehe er „Konzentrationslager“ sagen kann, habe ich meinen rechten Fuß gehoben und bin ihm dreimal mit voller Wucht auf seinen Hinterkopf gestiegen. Als sein Gesicht das erste Mal den Gehsteig küsst, macht es Glatsch. Beim zweiten Mal macht es Gnaatsch. Und beim dritten Mal hört es sich nur mehr so an, als würde man in einen Haufen Kuhscheiße treten. Ich lasse von ihm ab.
Als ich mich umdrehe, ist der dritte Typ verschwunden. Ich höre seine schnellen Schritte in einiger Entfernung und stelle überrascht fest, dass sich dieses wertlose Stück Scheiße doch tatsächlich aus dem Staub machen will. Ich atme einmal tief ein, und renne los.
Ich kann den Wichser schon beinahe riechen. Sein Angstschweiß hinterläßt eine regelrechte Duftspur. Keuchend dreht sich der Wichser alle zehn Meter nach mir um, während wir die Straße entlanghetzen und ich komme immer näher.
Der rote Schleier über meinen Sichtfeld ist immer noch da. Die ganze Welt hat sich in Blut verwandelt. Als ich den Wichser einhole, trete ich gegen seinen rechten Fuß, wodurch er einen überaus schwulen Purzelbaum schlägt und sein Kinn knirschend im Gehsteig vergräbt. Ich rolle ihn auf den Rücken, setze mich auf seine Brust und packe einen losen, kleinen Pflasterstein, der zufällig neben mir unter einem Verkehrsschild liegt. Seine Augen sehen mich flehend an, geweitet vor Angst. Sein Kinn ist ein Fiasko aus Blut und aufgeschürfter Haut.
Als ich ihm das erste mal ins Gesicht schlage, bricht seine Nase.
Als ich ihm das zweite mal ins Gesicht schlage, platz seine rechte Augenbraue.
Als ich ihm das dritte mal ins Gesicht schlage, kippt seine gesamte untere Zahnreihe nach ihnen und hinterläßt einen blutigen Krater, während ihm die Zähne in den Schlund purzeln.
Ich möchte lachen, aber irgendwie ist mir nicht danach. Ich schlage ihn. Alles, was mir politisch in diesem Land auf die Eier geht, projiziere ich auf diesen Scheißkerl. Ich schlage ihn. Als ich ein Kind war, hatten wir jugoslawische Nachbarn, die mir immer Süßigkeiten mitbrachten. Der Mann wurde eines Nachts von mehreren Skinheads halbtot geschlagen. Ich schlage ihn. Ich denke an Rechtsradikale. Ich schlage ihn. An Burschenschaften. Ich schlage ihn. An all die Scheiße, die nicht passieren würde, wenn dieses wertlose Kollektiv an Abschaum, das sich Menschheit nennt, einfach Ruhe geben und alles akzeptieren würde, was anders ist. Ich schlage ihn solange, bis ich sicher bin, dass es bei seiner Beerdigung keinen offenen Sarg geben wird.
Der rote Schleier verschwindet von einer Sekunde auf die andere. Während ich mich noch frage, wie zum Teufel ich nun meinen Termin wahrnehmen soll, stelle ich fest, dass ich blutbesudelt bin. Ich drehe mich um und lasse den Leichnam des Arschlochs einfach liegen. Stirnrunzelnd gehe ich die Straße entlang und habe das Gefühl, dass sich das alles anders anfühlt als sonst. Ich frage mich gerade ernsthaft, was zum Geier hier abgeht, als mich auch schon mehrere Hände grob packen und auf den Boden stoßen. Innerhalb von Sekunden bin ich von mehreren Polizisten umgeben, die laut herumschreien und von denen mir mindestens die Hälfte ihre Knarre ins Gesicht halten.
Irgendwas ist anders.
Irgendwas ist schief gelaufen.
Ich komme schon noch darauf.
Jede Wette.