Es regnet. Stark. Es regnet so stark, dass das verfickte Wasser vom Himmel fällt, am Boden aufklatscht, nach oben spritzt und mich von unten hinauf nass macht. Ich möchte laut aufschreien und kleinen flauschigen Robbenbabies mit einem Buttermesser das schneeweiße Fell von ihren zarten Körpern schneiden. Ich hasse Regen!
Die Schultern bis zum Anschlag hochgezogen stehe ich neben einem Hauseingang, aus dem ständig irgendwelche hässlichen Menschen strömen, denen das beschissene Wetter nicht die Bohne auszumachen scheint. Ich hoffe, dass sie alle in spätestens 2 Jahren an Magenkrebs sterben. Fuck! Meine Augen treten aus ihren Höhlen, als mir ein dicker Tropfen in den nackten Nacken klatscht. Mein Pimmel zieht sich nach innen und mit einem leisen Plop! flutschen meine Hoden in die Bauchhöhle um einen verschrumpelten leeren Sack zurückzulassen, dem, seiner wertvollen Fracht beraubt, nichts anderes übrig bleibt, als an meinem rechten Schenkel kleben zu bleiben. Genug von dieser elenden Scheiße! Ich springe hervor, tänzle auf eine unbeabsichtigt schwule Art und Weise über den Gehsteig, werfe mich vor das nächste Taxi, das sich gerade noch mit quietschenden Reifen viereinhalb Zentimeter vor mir einbremsen kann, drehe mich wie ein Stierkämpfer um die eigene Achse, wirble zur Tür, öffne sie und mache einen Hechtsprung ins Taxi, ehe der Taxifahrer ein „Jebemu Bitschku Materina!“ von sich geben kann.
„Ey, Kolega! Was machen?“
Ich blinzle mir Regen aus den Augen und schaue den Taxifahrer fragend an. Er deutet mit seinem verschwitzten, dreckigen Händen aus der Windschutzscheibe.
„Springen vor Auto.. das nix! Kolega, das nix!“
Irgendwie nehme ich an, dass er mich dumm anmachen will, weil ich vor sein Auto gesprungen bin. Ich beschließe, nicht näher drauf einzugehen. Scheiß drauf! Ich deute mit dem Zeigefinger nach vorne, und will ihm meine Adresse zurufen, als er mir ins Gemächt fährt.
„HE! KOLEGA! VERSTEHEN DEITSCH!?“
Ich spüre, wie sich die Nässe ihren Weg durch meine Kleidung bahnt. Bald werde ich sie auf meiner Haut spüren und meinen verfickten Verstand verlieren. Irgendwo hinter meiner Stirn beginnt es zu knistern. Ohne auf seine Frage zu antworten, hebe ich erneut die Hand um ihm die Zieladresse zu verklickern, als er sich schnaufend umdreht, die Fahrertür öffnet und aussteigt. Schimpfend geht er um den Wagen herum, ehe er vor meiner Tür steht und Anstalten macht, sie zu öffnen. Im letzten Moment schnappe ich mir den Griff an der Innenseite und halte ihn fest. Er sieht mich verblüfft an, stößt einige Flüche auf serbisch, kroatisch oder von mir aus montenegirsch aus und versucht mit aller Kraft die Tür aufzuziehen. Wie zwei mongoloide Schwachköpfe, die sich um einen Maiskolben streiten, zerren wir eine zeitlang an der Tür herum, ehe ich einfach loslasse, die Tür auffliegt und vom Gesicht des Taxifahrers mit einem Geräusch gestoppt wird, das sich genauso anhört wie wenn man mit einem Stiefelabsatz in eine Horde tollwütiger Nacktschnecken steigt. Ich bin hin und hergerissen zwischen hyterischem Lachen und sofort an Ort und Stelle den Egg McMuffin auskotzen, den ich mir heute morgen genehmigt habe. Ich schließe die Augen, atme einige Male durch und steige schließlich vollkommen gelassen aus dem Taxi. Ruhig wie eine Hindu-Kuh.
Der Taxifahrer liegt auf dem Rücken. Seine Gesicht ist nur mehr blutiger Matsch, es scheint, als hätte ihm die Tür die Nase püriert und alles was an Knorpel und Knochen im Weg stand, Richtung Schädelinnenseite geschoben. Ich steige über ihn drüber und beschließe, einfach aus dem Staub zu machen. Dann überlege ich es mir anders, mache kehrt und trete ihm mit voller Wucht gegen die Eier. Sollte er den Kuss mit der Autotür überleben, möchte ich ihm ein weiteres Souvenir mitgeben. Es klingt lustigerweise wie ein Furz. Lachend drehe ich mich um und gehe die Straße entlang. Der Regen hat von einer Sekunde auf die nächste aufgehört und obwohl meine Kleidung immer noch nass ist, fühle ich mich plötzlich so lebendig wie noch nie.
Ich beginne „Somewhere over the rainbow“ zu pfeifen, stecke die Hände in meine Hosentaschen und spaziere ohne genaues Ziel in Richtung Innenstadt.
Scheiß Taxifahrer. Konnte die Arschgeigen noch nie leiden.