Im elften Stock. Diese verfickte Firma hat ihr Büro im elften Stock! Himmelherrgottleckmichamarschverdammtnochmal! Als ich das Gebäude betrete, ahne ich bereits, dass ich den Job nicht bekommen werde. Ich weiß es, weil ich mich soweit oben nicht gut fühlen werde. Im elften Stock. Weil ich ständig zum Fenster hinüberlinsen werde anstatt darauf achten, was mich diese Schwachköpfe beim Interview fragen.
Der elfte Stock. Das sind mindestens dreissig Meter. Oder vierzig. Fuck!
Ich gehe zum Lift und bleibe stehen. Nachdem ich einen Rundherumblick gewagt habe, stelle ich fest, dass es kein Stiegenhaus gibt. Nachdem ich mehrere Minuten lang das gesamte, verfickte Erdgeschoß abgesucht habe, gebe ich auf. Was für eine elende Kacke! Wenn es in diesem Haus brennt, werden alle Idioten hier drinnen erbärmlich verbrennen! In Gedanken gehe ich die Punkte durch, die für den Job sprechen. Als ich mir mit dem ersten Punkt das ungefähre Gehalt vorsage, bin ich auch schon wieder überzeugt. Ich elende Nutte!
Schwitzend drücke ich den Knopf des Aufzugs und warte bis das Scheißding ankommt. Ding! Tür gleitet auf. Hereinspaziert! Gott, ich hasse diese abgefuckten Todeskisten!
Als ich einsteige, bemerke ich einen glatzköpfigen Schlipsträger, der sich in die Ecke gedrängt hat und mir aus kleinen Rattenaugen abfällige Blicke zuwirft. Ich will ihm sofort seine gottverdammten Augen mit einem Eispickel aus seiner Visage entfernen und ihm in seine blutigen Augenhöhlen pissen. Der Wichser kommt vermutlich aus der Garage, er hält einen Autoschlüssel mit einem VW-Anhänger in der Hand.
Ich atme durch und steige ein. Als ich mich zur Seite drehe um die 11 zu betätigen stelle ich fest, dass das Gebäude über dreissig Stockwerke verfügt.
Dreissig! Heiligescheißefickmichindenarsch! Das sind mindestens hundert Meter! Oder mehr!
Während ich überlege, gleitet die Lifttür mit einem schleifenden Geräusch zu und die Kiste fährt los. Das Rattengesicht glotzt mich unverhohlen an. Ich ertrage seinen Blick nicht. Und dann beginnt er auch noch mit seinem Schlüsselanhängr zu klimpern. Schirrschirrschirr!
Ich blicke auf die Digitalanzeige, die besagt, in welchem Stock man ist. Im ersten?! Keuchend hebe ich meine zitternde Hand und drücke auf die Elf, die zu leuchten beginnt.
Schirrschirrschirr!
Ich lehne mich mit dem Rücken zu dem Arschloch an die Liftwand und versuche, nicht zu hyperventilieren.
Schirrschirrschirr!
Das Geräusch treibt mich in den Wahnsinn! Ein Blick auf die Anzeige sagt mir, dass wir im Schneckentempo auf den vierten Stock zurasen. Wenn das so weitergeht, bin ich in zwanzig Minuten im elften Stock!
Schirrschirrschirr!
Schweiß tropft mir von der Stirn, als ich den Kopf senke. Höraufhöraufhöraufhöraufhöraufhöraufhöraufhöraufhörauf….
Schirrschirrschirr!
Hölle! Und! Verdammnis!
Langsam drehe ich mich um und reisse dem Arschloch den Schlüsselbund aus seiner fetten Hand. Er sieht mich mit seinen widerlichen Scheißaugen fragend an und macht „Uäh?“. Der Schlüssel seines VW hat an der Seite einen Knopf und als ich drauf drücke, schießt der Schlüsselbart seitlich hervor und rastet ein. Ha!
Ich packe ds Schweinegesicht im Genick und wuchte ihm mehrmals mein Knie in die Weichteile. Es fühlt sich an wie wenn man gegen eine riesige gefüllten Krautroulade tritt. Er macht Oi und Ai und Uff und als ich mir sicher bin, dass ich seine verfickten Hoden zu Nussmus verarbeitet habe, packe ich ihn am Kragen, drücke ihn hoch, presse seinen Kopf gegen die Kabinenwand und beginne wie verrückt mit dem Schlüssel auf sein Arschgesicht einzustechen. Der Schlüssel ist ein voller Erfolg! Er gräbt sich durch Haut, Fleisch und Augen, als wäre alles aus Knetmasse. Blut sprudelt aus diversen Löchern und als alles nur mehr aus rot-matschiger Masse besteht, hole ich seitlich aus und ramme dem Hurensohn seinen Schlüssel volles Rohr in sein verficktes Ohr, in dem er schmatzend hängenbleibt.
Schirrschirrschirr! Ding!
Ich öffne die Augen. Die elf blinkt! Nichts wie raus hier! Als ich aus dem Lift torkle, fühlen sich meine Beine an wie Gummi. Langsam drehe ich mich um und sehe den widerlichen Glatzkopf geradenoch hämisch grinsen, ehe sich die Lifttür schließt. Ding!
Da stehe ich nun im elften Stock und als ich den Gang entlangblicke, stelle ich erschüttert fest, dass ich, der Helligkeit nach zu schließen, mindestens zehn Meter Glaswand passieren muss, ehe ich an der Bürotüre anläuten kann. Keuchend presse ich mich gegen die Wand und versuche, mein Herzrasen in den Griff zu bekommen. Als es mir nicht gelingt, beginne ich verzweifelt zu schluchzen. Langsam rutsche ich an der Wand herab, bis ich auf meinen Fersen sitze. Das Schluchzen wird zu einem Weinen, das auf meinem tiefsten Inneren kommt. Ich lasse es einfach laufen.
Ich ignoriere die Stimmen.
Ich ignoriere die Hände, die mich betatschen.
Ich ignoriere die Schritte.
Und irgendwann kann ich wieder normal atmen.